Daumenkultur

Das Handy ist gegenwärtig nicht mehr nur ein Gerät für die einfache soziale Kommunikation, sondern bietet inzwischen sehr viele Nutzungsmöglichkeiten. Das zeigt auch der Titel meines Blogs, nämlich der Begriff „Daumenkultur“. Dieser kleine Supercomputer, der oft einzig mit dem Daumen bedient wird,  ermöglicht es Mails zu schreiben, Fotos zu schiessen, Textbotschaften zu verfassen, Spiele zu spielen und vieles mehr. Das Mobiltelefon ist aber nicht nur funktionell, sondern eignet sich auch sehr gut für die Personalisierung. Obwohl es ein Massenprodukt ist, wird es oft verwendet, seinem Nutzer eine individuelle Note zu verschaffen oder die Zugehörigkeit zu einer Gruppe auszudrücken. Klingeltöne oder SMS-Botschaften sind bekannte Beispiele dafür, sich mit Hilfe des Handys von der Masse abzuheben. Das Mobiltelefon wird aber auch vermehrt zum Speicher unserer Erinnerungen und sozialen Verbindungen. Das führt dazu, dass wir oft gar eine Art emotionale Bindung zu unserem mobilen Freund entwickeln. Durch diese Bindung fällt es den Nutzern vielfach schwer, auf das Handy zu verzichten. Nur ungern schaltet man es aus oder lässt es gar zu Hause. Dadurch sind wir auch ständig erreichbar und das wiederum kann je nach Situation sehr störend sein für die Menschen in der Umgebung. Aber trotzdem! Wer möchte schon auf sein Mobiltelefon verzichten? Ich jedenfalls, bin sehr froh, um meinen mobilen Supercomputer.

In meinem Blog habe ich versucht, einen Einblick zu geben in das, was ich oben in einigen Zeilen niedergeschrieben habe – einen Einblick in die Bedeutung des Mobiltelefons in der Gesellschaft. Im ersten Blog habe ich einige Aspekte genannt, die ich im Laufe dieser zwei Monate behandeln will: Personalisierung, Privatisierung der Öffentlichkeit aber auch das Handy in der Familie. Aufgrund der Fülle an Informationen, konnte ich den letzen Punkt nicht mehr ausarbeiten. Mir war es jedoch wichtiger, dass die Einträge einen Zusammenhang haben, wie eine Art Geschichte, unterteilt in verschiedene Kapitel. Eine Geschichte, die man ohne Probleme über unzählige Einträge erweitern könnte, denn die Thematik ist sehr breit und äusserst spannend. Am Anfang habe ich mir sehr viele Themen vorgenommen, die mich interessieren und über die ich gerne schreiben wollte. Aber ich hatte nur schon Mühe, die einzelnen Einträge kurz zu fassen. So sind fast alle Einträge mehr als doppelt so lang, wie die Mindestvorgabe von einer halben Seite. Das liegt wahrscheinlich nicht unbedingt nur am Thema, sondern auch am Schreiben selbst. Das Bloggen habe ich als eine sehr angenehme Art des Schreibens empfunden. Im Vergleich zu den anderen schriftlichen Ausarbeitungen im Studium, ist es nicht ganz so streng wissenschaftlich, aber durchaus fachlich.

Fazit: Ingesamt eine sehr interessante und lehrreiche Erfahrung…

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Handy-Tabus

Posted on: April 5, 2009

Im letzten Blog habe ich mich mit der ständigen Erreichbarkeit befasst. Die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel meint dazu, dass man das Handy ab und zu ausschalten soll, um Menschen und Momenten die volle Aufmerksamkeit geben zu können. Ausschalten oder zumindest nicht benutzen, sollte man das Handy auch in bestimmten sozialen Situationen. Es gibt Situationen, die eine spezifische Funktion und eine starke soziale Regelstruktur haben. Diese bestimmen die kommunikativen Regeln, sodass der Gebrauch eines Handys kaum möglich ist. Denken wir nur an einen Konzertsaal, einen Gottesdienst oder auch an eine Schulstunde. Das Mobiltelefon stört also umso mehr, je stärker eine Situation formalisiert und ritualisiert ist und wo schon normale Gespräche unter Anwesenden unangebracht sind. Gegenteilig dazu sind Situationen, die keine spezifische Funktion haben und die sozial unstrukturiert sind. Die Kommunikation ist dort kaum beschränkt und nur schwach geregelt. Dies gilt vor allem für räumlich und sozial offene Situationen, wie beispielsweise Bahnhöfe oder Markplätze (Burkart, 2007, S. 85f).

Zur Handynutzung in bestimmten Situationen wurde von der BITKOM im Jahr 2008 eine Studie durchgeführt. Gefragt wurde nach Situationen, in denen die Nutzer ihr Handy abschalten oder stumm stellen. Berufliche Besprechungen liegen mit 79% an erster Stelle. Jeder Vierte hingegen (24 Prozent), lässt das Handy im Kino, im Theater oder in anderen Veranstaltungen klingeln. Vor allem aber im Zug und beim Einkaufen scheint es kein Tabu zu sein, den mobilen Freund zu benutzen. Nur acht bzw. sechs Prozent der Befragten gaben an, das Handy dort abzuschalten oder stumm zu stellen. Was in Bezug auf den Handygebrauch angebracht ist und was nicht, kann man Online im Handy-Knigge nachlesen. Wenn aber auch diese unverbindlichen Verhaltensregeln nicht eingehalten werden, helfen wohl nur härtere Massnahmen (Alm in Bayern)… (Bildquelle: alecmcint – flickr)

Handy ausschalten

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Dadurch, dass das Mobiltelefon ortsunabhängig genutzt werden kann, kommt noch ein neuer Aspekt hinzu, nämlich die Möglichkeit der ständigen Erreichbarkeit. Ein Vorteil und Nachteil zugleich. Wird es von den Nutzern vielfach als wesentlicher Vorteil bezeichnet, ist es für die Nichtnutzer oft ein entscheidender Grund, sich kein Mobiltelefon anzuschaffen.

Burkart spricht in seinem Buch „Handymania“ von einer sogenannten ubiquitären Erreichbarkeit. Damit ist gemeint, „[…] dass sich die Kommunikationsteilnehmer mit Hilfe des Mobiltelefons weitgehend aus räumlich-zeitlichen Fixierungen befreien, in Bewegung und trotzdem erreichbar sein können. Das gilt zunächst, ganz banal, im dem Sinn, dass es bequemer geworden ist, sich zu verabreden und zu treffen.“ (Burkart, 2007, S. 52). Die Kommunikationspartner müssen sich bezüglich der Zeit und des Ortes erst kurz vor dem Treffen festlegen. Anstatt zu sagen, „treffen wir uns um 16:00 am Bahnhof“, reicht es wenn man sagt: „treffen wir uns irgendwann am Nachmittag, den Rest regeln wir per Handy.“ Laut Burkart (2007) war der Gegenstand von zwei Drittel bis drei Viertel alle Telefonanrufe schon immer die Koordination und Organisation von Treffen (S. 52ff.). Passend zum Thema habe ich ein Podcast gefunden mit dem Titel „Ständige Erreichbarkeit – Zwang zum Handy“, in dem Burkart in einem Interview über die Erreichbarkeit spricht, sowie allgemein über die Veränderungen, die das Handy brachte.

Das Glück der UnerreichbarkeitBei der Recherche zu diesem Thema bin ich zudem auf Stern Online auf einen Artikel gestossen mit dem Titel: „Ich bin dann mal da“. Es ist ein Interview mit der Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel, die dafür plädiert, Handy und E-Mail regelmässig abzuschalten – um Menschen und Momenten die volle Aufmerksamkeit schenken zu können. In Ihrem Buch, „Das Glück der Unerreichbarkeit“ fordert Sie, dass man sich bewusst Freiräume schaffen soll, in denen man nicht ständige erreichbar ist, sei es über Handy oder Computer. Was oft sehr einfach erscheint – man müsste schliesslich lediglich den Abschaltknopf betätigen – ist für viele ein schwieriger Schritt. (Bildquelle: Schweizer KMU-Tag)

Durch die heutigen Kommunikationsmedien verändert sich die Kommunikation in unserer Gesellschaft. Die persönlichen Gespräche nehmen ab, stattdessen gibt es eine Verlagerung auf technische Plattformen wie E-Mail, SMS, Handy und Computer. Die heutige Technik macht Erreichbarkeit zu jeder Zeit möglich, was zur Folge hat, dass diese dann einfach erwartet wird. Das wiederum führt dazu, dass wir uns sogar regelmässig lügen, um zu legitimieren, dass wir nicht erreichbar sind. Kaum einer traut sich zu sagen, „lass mich in Ruhe, ich möchte arbeiten – oder einfach nur ein Privatleben haben, stattdessen erfinden wir Ausreden wie, „Sorry, der Akku war leer“ oder „Ich hatte kein Netz“.

Der Weg aus der Erreichbarkeitsfalle klingt laut Meckel recht einfach: Ausmachen. Man muss sich technisch abkoppeln um unerreichbar zu sein. So kann man sich bestimmten Aufgaben oder einem Menschen wirklich zuwenden und uns darauf konzentrieren. Wie auch der Titel des Artikels sagt: Ich bin dann mal da! Da sein mit voller Aufmerksamkeit für die eine Sache oder die eine Person.

Untenstehend ist ein Video von YouTube in dem Miram Meckel in einem Interview über „das Glück der Unerreichbarkeit“ spricht:

Handy im ZugDas Mobiltelefon ermöglicht, wie es der Name bereits sagt, dass Menschen direkt miteinander sprechen können, obwohl sie voneinander entfernt sind. Diese Möglichkeit der Kommunikation über weiter Entfernung ohne Zeitverzögerung verändert schliesslich auch die Kommunikationssituation. Die Kommunikation wird in gewisser Weise „ortlos“. Wissen wir beim Festnetztelefonieren gewöhnlich, wo sich der Gesprächspartner gerade befindet und können ihn dementsprechend in einer bestimmten räumlichen Umgebung und sozialen Situation vorstellen, ist dies beim Mobiltelefon wesentlich schwieriger. Wenn der Handytelefonierer den anderen über seinen Aufenthaltsort aufklärt, ist das nicht etwa Langeweile oder Mitteilungsdefizit, sondern entspricht dem Bedürfnis, den Gesprächspartner zu lokalisieren. Daher rührt auch die uns allen bekannte Gewohnheit, das Handy-Gespräch mit der Frage „Wo bist du gerade?“ einzuleiten (Burkart, 2007, S. 57). (Bildquelle: iFocos – Flickr)

Auch ich werde bei einem Handygespräch oft gefragt, wo ich mich befinde bzw. frage meinen Kommunikationspartner nach seinem Aufenthaltsort. Bisher habe ich noch keine Erklärung dafür gefunden. Die Theorie von Burkart scheint mir aber durchaus einleuchtend, denn diese Frage „Wo bist du gerade?“ wird wohl in den meisten Fällen nicht aus Relevanz-Gründen gestellt, sondern eben um den Gesprächspartner zu lokalisieren, oder dann – was bei uns Menschen oft plausibel erscheint –  aus Gewohnheit.

„Medien zwingen uns, neue kommunikative Praktiken zu lernen: Mit dem alten Telefon mussten wir erst lernen, wie es geht, mit jemandem zu sprechen, den man nicht sieht; mit der E-Mail mussten wir lernen, unsere geschrieben Sprache der mündlichen Sprache anzunähern und gleichzeitig die Antwort zu beschleunigen; und mit dem Mobiltelefon mussten wir unter anderem lernen wie es geht, vor Publikum zu telefonieren“ (Burkart, 2007, S. 23).

Dieses Zitat beschreibt treffend, den Gesichtspunkt, den Höflich in seinem Beitrag im Buch Daumenkultur beschreibt. Er berichtet darüber, dass das Mobiltelefon zu einer Art Privatisierung des öffentlichen Raumes führt, weil private oder gar intime Themen öffentlich ausgetragen werden. Das Mobiltelefon befindet sich in einen Spannungsfeld zwischen privater und öffentlicher Kommunikation. Hinzu kommt, dass die mit dem Handy gepflegten Netzwerke oft sehr privat sind. Denken wird nur daran, dass Mobiltelefonnummern nicht in einem öffentlichen Verzeichnis aufgeführt sind und schon deshalb als privat bezeichnet werden können. Trotzdem aber werden die Gespräche mit den Personen dieses begrenzten, sozialen Netzwerks oft im öffentlichen Raum ausgetragen (Höflich, zit. in Glotz et al., 2006, S. 143ff.).

Was zu dieser Privatisierung der Öffentlichkeit noch hinzu kommt, ist die Tatsache, dass die Menschen in der Umgebung – ob sie wollen oder nicht – oft die Hälfte des Telefongespräches mitbekommen. Auch wenn man versucht, das Gespräch auszublenden, scheint es oft unmöglich, nicht zuzuhören. Britische Psychologen haben in einer Studie eine Erklärung dafür gefunden. Wir, als unfreiwillige Zuhörer, werden dadurch, dass wir nur die eine Hälfte mithören, sozusagen in das Gespräch hineingezogen. Dies geschieht aus dem Grund, weil wir versuchen, das Gesagte des unhörbar Anderen zu erraten um dadurch besser zu verstehen, was der sichtbare Gesprächspartner sagt. Eine andere Erklärung ist auch, dass wir uns womöglich gezwungen fühlen, die nicht sichtbare Person zu ersetzen oder man richtet die Aufmerksamkeit auf das Gesagte, um so bei Bedarf entsprechend reagieren zu können. (Der Artikel dazu findet sich unter heise online).

Dieser Blog ist ein kurzer Nachtrag zu meinen letzten Eintrag mit dem Titel „Unverzichtbarkeit“. Bei der Recherche zum einem Video für mein Thema bin ich, wie das im Internet mit der Hyperlinkstruktur so ist – ohne spezifisch danach zu suchen, auf eine Studie der BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) gestossen. Sie wurde an einer CeBIT Pressekonferenz vorgestellt wurde. Befragt wurden rund 1000 Personen aus Deutschland. Die Frage: Ich kann mir kein Leben vorstellen ohne…?

Die Studie hat ergeben, dass für 84 Prozent der 14- bis 29 jährigen das Internet unverzichtbar ist. Noch „unverzichtbarer“ ist hingegen das Mobiltelefon. Ganze 97 Prozent dieser Altersgruppe können sich ein Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen. Damit steht das Mobiltelefon an erster Stelle noch vor dem Auto (für 64 Prozent ist das Auto unverzichtbar) und vor allem vor dem aktuellen Lebensgefährten mit 43 Prozent.

BITKOM-Studie

Die emotionale Bindung zum Handy, die ich in meinem letzten Blogeintrag beschrieben habe, zieht auch eine gewisse Unverzichtbarkeit mit sich. Obwohl, wie folgendes Beispiel zeigt, wir gut in bestimmten Situationen auch einfach mal auf das Handy verzichten könnten: Kurz vor der Einfahrt des Zuges in den Bahnhof, wo bereits viele Menschen warten, klingelt es mehrfach. Anschliessend kramen alle ihre Handys aus den Taschen, nur um dann zu sagen: „Ich bin gleich da, wird haben fünf Minuten Verspätung“ oder „Ich kann jetzt nicht telefonieren, wird steigen gerade aus“ (Burkart, 2007, S. 129).

Die Unverzichtbarkeit, hat keinen technischen bzw. sachlichen Hintergrund. Viel mehr sind es symbolische, soziale oder eben emotionale Aspekte. Das schliesst zwar einen nutzenorientierten Umgang mit dem Handy nicht aus, besonders was die berufliche Seite betrifft. Vor allem aber bei der privaten Verwendung geht es oft um mehr. Nämlich um die Zugehörigkeit zur Gruppe, um Solidarität und andere Kollektivgefühle. Studien haben gezeigt, dass Nutzer oft Angst haben, etwas zu verpassen, wenn sie ihr Handy nicht dabei haben. Denn das Mobiltelefon fungiert als eine Art Schnittstelle zum Freundeskreis. Oft ruft man „einfach so“ an, ohne Anlass, nur um zu fragen wie es geht, wo man gerade ist oder was man so macht (vgl. Burkart, 2007, S. 129ff.).

Die Nutzer sind es inzwischen so gewohnt, das Handy regelmässig zu benutzen, dass sie sich ihren Alltag kaum ohne ihren mobilen Freund vorstellen können, wie das Beispiel eines Studenten aus Lüneburg zeigt, der einen Freund in Hamburg treffen wollte, der kein Handy besass. Aus diesem Grund hätte der Student das Treffen fast abgesagt. „Ich kann dich dann ja gar nicht erreichen, wie machen wir das? Dann nimm doch das Handy von deiner Freundin mit“. Es scheint fast so, als sein die Kompetenz verloren gegangen, eine einfache Verabredung ohne Handy zu organisieren. Was das Beispiel aber auch veranschaulicht ist, dass es sie noch gibt, „die Nicht-Handy-Nutzer“ oder etwas salopp gesagt, die „Handy-Verweigerer“ (vgl. Burkart, 2007, S. 138). Für diese wird es jedoch in der heutigen Zeit immer schwieriger, dem sozialen Druck zu widerstehen.

Unverzichtbarkeit hängt auch eng mit auch mit dem Thema Sucht zusammen. Kann man im Bezug auf das Mobiltelefon überhaupt von „Sucht“ sprechen? Psychologen jedenfalls nennen es lieber „Medienabhängigkeit“. (Interessanter Artikel dazu „Droge Handy“ der Zeitschrift PM – Volltext nur mit Abonnementen-Nr. verfügbar)

Informationen zum Thema Handysucht findet man ausreichend, sodass ich diesem Aspekt eigentlich einen ganzen Blogeintrag widmen könnte. Ich möchte jedoch hier abschliessen mit einem Video, dass ich zum Thema Handy-Sucht bzw. SMS-Sucht gefunden habe (auch verfügbar auf Stern.de). Kaum vorstellbar, wie man rund 200 SMS am Tag verschicken kann…

Die Handys werden zum einen personalisiert und zum anderen werden sie zum Speicher unserer Erinnerungen und sozialen Verbindungen. Dies zeigt sich in Gestalt von Telefonnummern, Fotos und Botschaften, die von den Nutzern in ihrem Mobiltelefon gespeichert werden. Das Handy wird somit zu einem Gegenstand, der unser soziales und emotionales Leben verkörpert, nicht nur erleichtert oder ermöglicht.

Mit dem vorhergehenden Absatz möchte ich auf einen Artikel von Jane Vincent im Buch „Daumenkultur“ – das ich schon in meinem ersten Blog vom Februar 09 angesprochen habe – hinweisen. Der Titel lautet: „Emotionale Bindung im Zeichen des Mobiltelefons“. Ich hatte anfangs Mühe, mir etwas darunter vorzustellen. Haben wir Handynutzer wirklich eine emotionale Bindung zu diesem kleinen technischen Gerät entwickelt? Nachdem ich den Artikel gelesen habe, scheint mir aber ihre Theorie durchaus verständlich und in Verbindung mit meinen eigenen Beobachtungen und Erfahrungen sehr realitätsnah. In ihrem Beitrag beschreibt sie zwei Aspekte emotionaler Bindungen im Zeichen des Mobiltelefons. Zum einen die persönliche Kontaktpflege mit Hilfe des Mobiltelefons und zum anderen die gefühlsmässigen Bindungen der Handynutzer an ihr Gerät. Das Handy dient also dazu, ständig mit anderen verbunden zu sein, es fungiert wie eine Art Leitung für emotionale Bindungen.

Untersuchungen in Grossbritannien und Deutschland haben ergeben, dass viele Nutzer hinsichtlich der auf dem Handy gespeicherten und über das Handy vermittelten Inhalte teils intensive Gefühle haben. Es besteht der Wunsch nach ständiger Verbundenheit und handyvermittelter Bestätigung. Dies kann soweit gehen, dass das Handy so wertvoll ist, das man es in bestimmten Situationen lieber zu Hause lässt, aus Angst, es zu verlieren.

Wie aber lassen sich diese, zum Teil sehr starken emotionalen Bindungen zum Handy, erklären? Auch dazu findet sich im Artikel von Vincent eine Antwort. „Da ist zu nächst die Feststellung, dass das Mobiltelefon für den Nutzer ein fetischartiges Symbol ist, eine Artikulation der eigenen Persönlichkeit. Jedes Handy reflektiert auf einzigartige Weise das Leben des Nutzers zu diesem speziellen Zeitpunkt. So „enthält“ das Gerät Erinnerungen, mit den gespeicherten Textbotschaften und Rufnummern verbundene Gefühle, Verabredungen, eigens ausgewählte Klingeltöne, im Telefon statt in der Brieftasche herumgetragene Fotos, und so weiter.“ Das ist der eine Punkt. Der andere zielt darauf ab, dass Beziehungen zu anderen Menschen den Anstoss zur emotionalen Bindung der Nutzer an ihr Handy geben und nicht etwa die Beschäftigung mit dem Gerät. Dies sind die zwei wichtigsten Erklärungen für solche emotionale Bindungen. Ein weiterer Grund hat damit zu tun, das wir Menschen empfindende Wesen sind und ständig emotional berührt werden. Das Verhältnis zwischen Nutzer und Handy ist von Gefühlen dominiert. Wir interagieren mit unseren Mobiltelefonen, umklammern es in Krisensituationen, jederzeit bereit, es zu benutzen. Wie Vincent treffend beschreibt: „Als lebendige, in stetigem Wandel begriffene, fühlende Wesen erleben wir, wie unsere eigenen Mobiltelefone und die Handys anderer eine steten Einfluss auf unser Leben haben.“

Das Handy wird auch als wichtiger Bestandteil unseres emotionalen Speichers bezeichnet. Dies, weil es eine Speicherablage für Verbindungen zu Dingen ist, die emotionale Reaktionen hervorrufen. Hinzu kommt die bereits bekannte funktionale Rolle des Handys bei der Bewältigung des Alltages. Das Alltagsleben ist von ständigen Veränderungen geprägt und diese wiederum finden ihren Niederschlag häufig im Handygebrauch. Ein Beispiel dafür ist das Absprechen neuer Termine per Mobiltelefon.

(vgl. Vincent, zit. in: Glotz et al., 2006, S. 135ff.)

Auf der Suche nach Informationen für dieses Thema bin ich sogar auf einem Internetportal auf eine Gruppe gestossen, der man beitreten kann und die sich folgendermassen nennt: „Ich habe eine emotionale Bindung zu meinem Handy“.